Starkes Debüt: Bibiana Steinhaus pfeift als erste Frau in der Bundesliga

Bibiana Steinhaus

Bibiana Steinhaus

Vor dem 1:0 der Gastgeber ließ Steinhaus nach einem Foul an Herthas Vladimir Darida richtigerweise den Vorteil laufen, den Mathew Leckie (38.) zur Führung nutzte. Genauso unaufgeregt interpretierte Steinhaus ihre Rolle auf dem Rasen. Alle Augen richteten sich auf eine Frau in Schwarz - auf Bibiana Steinhaus, die als erste Frau eine Partie der höchsten deutschen Spielklasse leiten durfte. Und dann gab es noch die Begegnung zwischen Bibiana Steinhaus und der Fußball-Bundesliga, die erste zwischen einer Schiedsrichterin und den Männern in der ersten Klasse des deutschen Fußballs. "Dafür ist Bibiana ein Riesenvorbild", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Ob nun historisch oder nicht - mit ihrer fehlerfreien Leistung hat Steinhaus überzeugt.

Schon vor der Partie konzentrierte sich alles auf Steinhaus.

Besondere Würdigung erfuhr die Unparteiische von der Hertha, die zu ihren Ehren einen Video-Einspieler produziert hatte, der Steinhaus in eine Reihe mit "Berliner Größen" wie Marlene Dietrich und Angela Merkel stellte.

In Berlin zeigte Steinhaus eine fast durchgehend souveräne Leistung.

Klare Kommunikation, lockeres Auftreten und dennoch ein strenges Regiment: hitzige Situationen löste sie souverän. Auch die beiden Trainer waren mit der Leitung zufrieden. Werders Alexander Nouri sagte: "Ich habe schon im Vorfeld gesagt, dass das Geschlecht egal ist. Ich war sehr zufrieden", sagte Hertha-Coach Pal Dardai. Und sie erntete Beifall: "Ich hätte nichts dagegen, dass wir in der Bundesliga mehrere Frauen als Schiedsrichter haben", sagte Berlins Kapitän Vedad Ibisevic. Bibiana Steinhaus wurde von Kameras auf jeden Schritt und Pfiff begleitet und beobachtet, und als sie die Partie nach 90 Minuten und zwei Minuten Nachspielzeit beendete, stand fest: Es war tatsächlich ein ganz normales Bundesligaspiel gewesen. In der Schlussphase wurde es besonders emotional: Dass sie nach einem vermeintlichen Foul an Herthas Valentin Stocker (76.) im Strafraum nicht auf Elfmeter entschied, quittierte das Heimpublikum mit gellenden Pfiffen, der Videoassistent gab ihr jedoch schließlich recht. Schon 2003 leitete sie im Olympiastadion als 24-Jährige das DFB-Pokal-Finale der Frauen, Jahre später pfiff sie in der Zweiten Liga Heimspiele von Hertha BSC. Frauen zahlen nur 50 Prozent des regulären Ticketpreises. "Insofern habe ich mir keine Gedanken darum gemacht, aber wir werden sicher die Gelegenheit finden, darauf angemessen anzustoßen".